Wissenwertes

Wissenswertes

Grundsätzliches:

Als Tierärztin liegt mir das Wohlergehen und die Gesundheit der Tiere sehr am Herzen und so manch „spontaner“ Welpenkauf kann in einem Desaster – oder in der Quarantänestation eines Tierheimes – enden, wenn man sich nicht vorher mit den aktuellen Impf- und Einreisebestimmungen vertraut gemacht hat. Unwissenheit schützt auch hier nicht vor Strafe und besonders die unschuldigen Welpen sind bei Nichteinhaltung einer großen Zeit ihrer Prägephase beraubt – d. h.:

Welpen sollten beim Kauf gechipt und geimpft sein. Die erste Tollwutimpfung erfolgt in der Regel mit 12 Wochen und erst 3 Wochen später darf der Welpe innerhalb der EU oder eines gelisteten Drittlandes – mit einem EU Heimtierausweis (!) – über die Grenze mitgenommen werden. Bei sogenannten NICHT gelisteten Drittländern sind die Einfuhrbestimmungen noch komplizierter (z. T. Einfuhr erst im Alter von 7 Monaten möglich) und sollten genauestens beachtet werden. Bei Nichtbeachtung dieser Vorgaben wird der Welpe i. d. R. seitens der Behörde konfisziert und auf Kosten der aktuellen Besitzer in Quarantäne behalten

Der Bernhardiner

Der Bernhardiner gehört zu den Molossern, das sind große, muskulöse Hunde, die in der Geschichte als Wach- und Schutzhunde genutzt wurden.

Auch im Hospiz auf dem Pass des großen Sankt Bernhard, dem der Bernhardiner seinen Namen verdankt,  wurden diese molossoiden Hunde primär gehalten, um die Bewohner vor Überfällen zu schützen. Erst später bemerkten die Mönche, dass sich ihre Hunde auch wunderbar dazu eigneten im Schnee verirrte Wanderer zu suchen und zu finden.

Mittlerweile wird diese Aufgabe von kleineren, leichteren Hunden übernommen, da sich die Rettungskräfte nicht mehr zu Fuß durch den Schnee kämpfen müssen und keine großen, starken Hunde mehr brauchen, die ihnen den Weg spuren. Seit Jahren werden Hund und Retter mit dem Heli zum Einsatzort geflogen und ggfs. abgeseilt, da ist ein Bernhardiner ziemlich „unhandlich“.

Heute ist der Bernhardiner ein beliebter Familienhund, der mit seiner Sanftheit ein idealer Begleiter für Kinder sein kann. Jedoch sollte man immer bedenken, dass diese Hunde stark und schwer sind, so dass sie frühzeitig lernen müssen ihre Kräfte zu dosieren. Im Gegensatz zur weit verbreiteten Ansicht, ist ein Bernhardiner keinesfalls träge und dumm. Es ist eine hochintelligente Rasse, die bei entsprechender Haltung auch eine große Bewegungsfreude zeigt.

Es hat sich gezeigt, dass sich der Bernhardiner – nach entsprechender Ausbildung von Mensch und Hund – sehr gut für den Einsatz als Therapie- / Patientenbesuchshund und in anderen sozialen Bereichen eignet.

Wissenswertes vor der Anschaffung eines Bernhardiners:

– Der Bernhardiner ist ein Riese unter den Hunden, der ein Gewicht von 50 bis ca. 90 kg erreichen kann (ausnahmsweise bis über 100 kg)

– Er wird innerhalb seines ersten Lebensjahres sein Gewicht etwa verhundertfachen; das bedeutet, dass eine optimale Aufzucht gewährleistet sein muss, damit sich das Skelettsystem nicht falsch entwickelt (Siehe „Wissenswertes zur Fütterung“)

– Die wenigsten Bernhardiner können als „vornehm“ bezeichnet werden. Sie lieben Wasser und manchmal auch Schlamm. Auch das vermehrte Speicheln, was besonders bei Hitze und Appetit auftritt, ist nicht jedermanns Sache


– Wenn der Hund sein Fell wechselt (was er etwa 2 x jährlich tut), fallen große Mengen Haare aus. Sind Sie bereit, damit zu leben?

– Urlaub: Flugreisen sind nicht anzuraten, da der Hund in einer Transportkiste im Frachtraum reisen muss. Bei Reisen mit dem Auto muss Platz genug für Hund und Gepäck sein. Ist Ihr Auto groß genug?

– Erziehung: Konsequente Erziehung ist notwendig. Ein schlecht erzogener Bernhardiner macht keine Freude, der tägliche Spaziergang wird zum Horror, denn wenn sich rund 70 sture Kilos für eine bestimmte Richtung entschieden haben, ist es schwer sie davon wieder abzubringen. Hat man dann vielleicht auch noch Angst vor dem eigenen Hund, kann es sogar gefährlich werden

– Wie viel Wert legen Sie auf einen gepflegten Garten? Wo ein Bernhardiner durch die Blumen stürmt, bleibt eine Schneise der Verwüstung und markierende Rüden erreichen auch höher liegende Pflanzen und Beerensträucher …

– Allein durch seine Größe ist der Bernhardiner in der Lage, fast alle Plätze im Haus zu erreichen und genau zu untersuchen. Er kann also locker z.B. die Arbeitsplatte in der Küche oder gar den Esstisch erreichen. Man kann zwar versuchen, dies konsequent zu unterbinden, aber Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste

– Medikamente: Die meisten Arzneimittel müssen nach Körpergewicht dosiert werden, das kann dann bei einem großen Hund schon ganz schön ins Geld gehen

– Denken Sie bitte an die in Ihrem Bundesland geltende Landeshundeverordnung! Der Bernhardiner gehört z. B. in NRW zu den sogenannten 20 / 40 Hunden (d. h.: Hunde schwerer 20 kg und größer 40 cm Stockmaß).

Das bedeutet für NRW:

– Sie müssen der zuständigen Behörde seit dem 30.6.2001 das Halten Ihres Hundes anzeigen

– Seit dem 01.01.2002 müssen Sie Ihre Sachkunde zum Führen eines solchen Hundes nachweisen. Die Sachkunde ist der zuständigen Behörde durch eine Bescheinigung nach Vorgabe der Tierärztekammer NRW nachzuweisen

– Der Hund muss durch einen Mikrochip gekennzeichnet sein

 – Es muss vor der Behörde der Abschluss einer Hundehaftpflichtversicherung nachgewiesen werden

– Der Hund muss innerhalb im Zusammenhang bebauter Ortsteile auf öffentlichen Straßen und Plätzen sowie in öffentlichen Verkehrsmitteln angeleint sein

Ich möchte Sie dringend bitten, all diese Punkte genauestens zu überlegen, denn nur, wenn Sie wissen, was auf Sie zukommt und dann immer noch überzeugt sind, dass ein Bernhardiner der richtige Hund für Sie ist, wird Ihr Familienleben durch einen solchen Hund bereichert.

Wissenswertes zur Fütterung von Bernhardiner Welpen / Junghunde:

Bei großwüchsigen Rassen ist grundsätzlich darauf zu achten, dass die Welpen / Junghunde langsam und gesund wachsen. Studien haben gezeigt, dass u. a. die Zusammensetzung des Futters einen nicht unerheblichen Einfluss auf das gesunde Heranwachsen / Knochenwachstum hat.

Worauf sollte man allgemein achten?

Das Calcium- / Phosphor- Verhältnis im Futter sollte im Idealfall 1,2 % (Calcium) zu 1,0 % (Phosphor) betragen – diese Zusammensetzung ist extrem selten und man findet meist Futtersorten mit einem Verhältnis von 1,2 % CA zu 0,9 % P, was aber in Ordnung ist. Füttert man z. B. Trockenfutter, so ist die entsprechende Zusammensetzung auf der Verpackung bzw. ggfs. auf der Homepage des Herstellers nachzulesen.

BARF (biologisch artgerechte Rohfütterung) oder Trockenfutter?

Heutzutage manchmal ein „Glaubenskrieg“ mit verhärteten Fronten bei Befürwortern und Gegnern. Grundsätzlich sollte jeder Hundehalter diese Entscheidung für sich treffen und tolerant gegenüber der anderen Partei sein. Persönlich würde ich es mir nicht zutrauen einen Welpen / Junghund mit BARF großzuziehen – dbzgl. fehlt mir u. a. neben der entsprechenden Zeit und Tiefkühlkapazität auch das fachliche Wissen (bin bekennender und toleranter „Trockenfutterverfütterer“ … ;-)…) -. Barft man seinen heranwachsenden Hund, so ist es erforderlich bestimmte Stoffe über Zusätze dem Futter beizumengen. Somit kommt man nicht umhin, sich eine detaillierte Futter- und Zusatzstoffberechnung erstellen zu lassen, damit es nicht zu einem Mangel kommt.

Wie oft soll ich füttern?

Es ist ratsam heranwachsende Hunde bis mindestens zum 6. Lebensmonat 3 x täglich zu füttern und kann dann auf 2 x täglich umstellen. Ich kenne aber auch Bernhardinerliebhaber und Züchter, die ihre ausgewachsenen Hunde grundsätzlich 3 x täglich füttern – dagegen gibt es selbstverständlich nichts einzuwenden!!!

Wieviel soll ich füttern?

Bei BARF muss ich hier eine Antwort schuldig bleiben, da das für jeden Hund und jedes Alter individuell angepasst werden muss. Die tägliche Menge des Trockenfutters (verteilt auf die Anzahl der Mahlzeiten) kann meist der Verpackung entnommen werden. Hier gilt jedoch, dass man die über Tag verfütterte Menge „Leckerlies“ von der Tagesration abziehen sollte. Persönlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass Welpen / Junghunde auch problemlos mit 5 – 10 % weniger – als seitens des Futterherstellers angegeben – auskommen. Dabei gehe ich grundsätzlich bei Rüden von einem durchschnittlichen Endgewicht von ca. 80 kg und bei Hündinnen von ca. 60 kg aus. Zusätzlich kann auch Naturjogurt, Magerquark oder verträgliches Obst und Gemüse beigefüttert werden.

Wann sollte ich von Junior- auf Adult- Futter umstellen?

Hier gibt es seitens der Industrie, den Züchtern und auch langjährigen Berniefreunden z. T. sehr unterschiedliche Aussagen, wobei es sich empfiehlt bis mindestens zum 6. Lebensmonat Juniorfutter zu geben. Persönlich füttere ich dieses bis die „Kleinen“ etwas 12 Monate alt sind. Sollten sie da aber noch sichtlich im Wachstum sein, gibt es das auch länger…

Welches Trockenfutter ist das Beste?

Ja hier empfehle ich ausschließlich … … ICH WERDE MICH HÜTEN EIN BESTIMMTES FUTTER ANZUPREISEN … ;-), … denn ich bin weder Lobbyist, noch erhalte ich von einem oder mehreren Futtelmittelherstellern Gelder bzw. bin für diese tätig … auch liegt es nicht in meinem Interesse mich irgendwann einmal für solche Aussagen bezahlen zu lassen.

Es gibt unzählige Futterhersteller mit den verschiedensten „Empfehlungen“, Preisen, Zusammensetzungen, usw. … Der eine Hund verträgt Produkt „x“, der Andere Produkt „y“ besser, wieder andere schwören auf Produkt „z“ … Empfehlenswert ist als Trockenfutter auf jeden Fall ein Juniorfutter für „Großhunde“ bis zu einem Endgewicht von mindestens ca. 80 kg, dass neben o. g. Calcium- / Phosphor- Verhältnis auch ein nicht übermäßiges Fett- (ca. 12 %) und Proteinverhältnis (ca. 23 – 26 %) besitzt. Ist der Proteingehalt höher, muss der Fettgehalt kleiner sein, ansonsten hat man in meinen Augen ein „Mastfutter“ – was definitiv nicht anzustreben ist.